21. November 1981 – Angekettet auf dem Alex (Artikel in Arbeit)

Es regnet auf dem Alex – aber was da "vom Himmel regnet" ist nicht feucht und kalt, sondern "heiß und brisant". Hunderte von Flugblättern fliegen durch die Luft, landen auf dem Boden und werden eifrig von Passanten aufgesammelt, weggesteckt oder gleich gelesen.
An der Ecke ??? stehen einige Leute beieinander und schnell bildet sich eine Menschentraube.
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(Flugblatt vom 22. 11. 1981, verteilt in Bonn)

Vier Mitglieder des westdeutschen Solidaritätskomitees verhaftet – Aufsehen erregende Solidaritätsaktion mit verhafteten kommunistischen Oppositionellen in Ostberlin

Karin Wagner aus Dortmund, Helmut Stockmar aus Heilbronn, Franz Schlechter aus Heidelberg und Werner Kramer aus Büchen (Schleswig-Holstein), alle Mitglieder des westdeutschen Solidaritätskomitees für in der DDR verhaftete kommunistische Oppositionelle, führten am Samstag, dem 21. November, auf dem Ostberliner Alexanderplatz eine Aufsehen erregende Aktion durch, um auf die teilweise bereits fast ein Jahr andauernde Inhaftierung von acht bis zehn Bürgern der DDR wegen oppositioneller kommunistischer Tätigkeit aufmerksam zu machen und gegen die darüber von den DDR-Behörden verhängte Nachrichtensperre zu protestieren.

Gegen 11.00 Uhr ketteten sie sich auf dem Ostberliner Alexanderplatz an, entrollten ein Transparent mit der Forderung nach Freilassung der Inhaftierten. Ein weiteres Mitglied des Solidaritätskomitees warf von einem Kaufhaus Flugblätter unter die Passanten. Nach ca. 20 Minuten gelang es der Vopo, die Kette mit einem Bolzenschneider durchzutrennen und die vier Mitglieder des Solidaritätskomitees abzuführen.

Während der ganzen Aktion diskutierte eine große Menschenmenge. Auch nach der Verhaftung der Mitglieder des Solidaritätskomitees standen die Menschen auf dem Alexanderplatz noch in vielen kleinen Diskussionsgruppen beisammen. Diskutiert wurde dabei vor allem das Flugblatt des Solidaritätskomitees. In dem Flugblatt heißt es:

Bürger der DDR!

Wir, Mitglieder eines westdeutschen Solidaritätskomitees, haben uns heute, am 21. 11. 1981, auf dem Alexanderplatz angekettet. Warum? Wir haben uns nach gründlicher Überlegung zu dieser ungewöhnlichen Aktion entschlossen, weil wir meinen, dass es unbedingt notwendig ist, das Schweigen zu brechen, mit dem die Behörden der DDR die Verhaftung von acht bis zehn kommunistischen Oppositionellen, Bürgern der Hauptstadt Berlin, umgeben.

Warum schweigen Sie, Erich Honecker?

Angefangen vom Oktober letzten Jahres bis heute wurden acht bis zehn Bürger der DDR verhaftet. Drei von ihnen wurden im September in zwei Prozessen zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt. Stellvertretend für alle Inhaftierten seien hier zwei Namen genannt: Manfred Wilhelm, bis zu seiner Verhaftung am 19. 3. 1981 Schlosser in der ND-Druckerei. Andreas Bortfeldt, Diplom-Mathematiker am Institut für Wasserwirtschaft in Berlin. (Andreas Bortfeldt ist der Sohn des DEFA-Fil-Autors Kurt Bortfeldt, der im Mai dieses Jahres starb). Ihnen allen wird u.a. die Verbreitung von Schriften der KPD/Sektion DDR, die Mitarbeit an der illegalen Zeitung „Roter Morgen“ - Ausgabe DDR u.ä. vorgeworfen.

In zahlreichen Ländern wissen die Menschen über diese Verhaftungen Bescheid. Amnesty International hat Manfred Wilhelm und Andreas Bortfeldt als Gewissensgefangene anerkannt. In Schweden, Dänemark, England, Italien, Japan wurde am 1. 10. 1981 vor den Botschaften der DDR gegen diese Verhaftungen protestiert. Portugiesische Parlamentsabgeordnete übergaben eine Protestnote. Fast 3 000 Teilnehmer der großen Friedensdemonstration am 10. 10. in Bonn solidarisierten sich mit diesen politischen Gefangenen. Nur die Bürger der DDR wissen nicht Bescheid. Warum schweigen Sie über diese Verhaftungen, Erich Honecker ? Warum prangert das „Neue Deutschland“ nicht öffentlich die „Verbrechen“ der Inhaftierten an ? Haben Sie vielleicht Angst vor dem Urteil, das die Werktätigen der DDR dann sprechen werden?

Ist es ein Verbrechen, Kommunist zu sein ?

Nach Artikel 20 der Verfassung der DDR sind Gewissens – und Glaubensfreiheit gewährleistet. Nach Artikel 27 hat jeder Bürger das Recht, den Grundsätzen der Verfassung gemäß seine Meinung frei und öffentlich zu äußern. Nichts anderes haben die Verhafteten getan.

Sie haben zur Solidarität mit den streikenden Arbeitern in Polen aufgerufen, die Bildung freier Gewerkschaften begrüßt und zugleich vor dem Versuch der katholischen Kirche und westlicher imperialistischer Kreise, die Bewegungen auf ihre Gleise zu lenken, gewarnt. Ist die Solidarität mit den Arbeitern anderer Länder etwa kein Grundsatz der Verfassung der DDR ?

Sie treten im Interesse der Erhaltung des Friedens gegen den sogenannten Nachrüstungsbeschluss der NATO, gegen die Mitgliedschaft der BRD in der NATO, aber auch für den Beginn einseitiger Abrüstungsmaßnahmen durch die DDR, für den Abzug der sowjetischen Truppen aus der DDR, für die Erklärung der Neutralität durch die DDR ein. Muss man nicht zumindest darüber nachdenken, ob auf diese Weise der Frieden erhalten werden könnte

Sie haben die Verhältnisse in der DDR grundlegend kritisiert und für einen wahren Sozialismus gemäß den Lehren von Marx, Engels und Lenin gekämpft. Ist das nach den Grundsätzen der Verfassung der DDR etwa ein Verbrechen ?

Haben Sie keine Argumente, Erich Honecker?

Den Inhaftierten wird „staatsfeindliche Hetze“ vorgeworfen. Sie befinden sich zum Teil seit mehr als einem Jahr in U-Haft. Zu den Prozessen haben Bürger der DDR keinen Zugang. Haben Sie keine anderen Argumente, Erich Honecker, um auf die Kritiken der Genossen und Freunde der KPD zu antworten, als das Gefängnis ? Als die Nachrichtensperre?

Freiheit für Manfred, Andreas und ihre Freunde !

Mitglieder der KPD / Sektion DDR und andere Bürger der DDR informieren seit Monaten über die Verhaftungen. Aber ihre Möglichkeiten sind begrenzt. Deshalb führen wir diese Solidaritätsaktion durch. Wir fordern, dass die Werktätigen der DDR wahrheitsgemäß über die Verhaftungen und ihre Hintergründe informiert werden. Wir fordern öffentliche Prozesse, zu denen die Bevölkerung der DDR und internationale Beobachter Zurtitt haben !

Übt Solidarität!

Karin Wagner, Helmut Stockmar, Franz Schlechter und Werner Kramer haben mit ihrer Aktion die Öffentlichkeit auf das Schicksal der verhafteten kommunistischen Oppositionellen aufmerksam machen wollen. Die Öffentlichkeit in der DDR, aber auch in der Bundesrepublik. Denn die Bonner Politiker, die sich sonst so gerne als Anwalt der Menschenrechte in der DDR aufspielen, schweigen sich zur Verhaftung von Arbeitern, von kommunistischen Oppositionellen in der DDR aus. Für Presse, Rundfunk und Fernsehen sind diese Fälle politischer Verfolgung in der DDR ebenfalls kein Thema. Karin Wagner, Helmut Stockmar, Franz Schlechter und Werner Kramer haben mit ihrer mutigen Aktion dieses Schweigen brechen wollen. Ihre Aktion ist gerecht. Sie müssen von den Behörden der DDR sofort wieder freigelassen werden !

Fordert die sofortige Freilassung der Mitglieder des Solidaritätskomitees schriftlich und telephonisch bei der Ständigen Vertretung der DDR in Bonn-Bad Godesberg ! (Adresse: Ständige Vertretung der DDR, 5300 Bonn- Bad Godesberg, Kölner Str. 18, Telefon: 0221/379051).

Setzt euch für die verhafteten kommunistischen Oppositionellen in der DDR ein.

Was kann man tun?

 Bei der Ständigen Vertretung der DDR in Bonn oder beim Ministerrat der DDR protestieren, die Aufhebung der Untersuchungshaft und einen öffentlichen Prozess mit internationalen Beobachtern verlangen.

Adresse der Ständigen Vertretung: 5300 Bonn-Bad Godesberg,
Kölner Str. 18, Tel: 0221 / 37 90 51.

Adresse des Ministerrats der DDR:
Ministerrat der DDR, Berlin, Hauptstadt DDR.

Den Inhaftierten schreiben. Dabei ist zu beachten, dass die Karte oder der Brief nur persönliche Grüße enthalten darf. Die Adressen der beiden namentlich bekannten politischen Gefangenen, die auch von „ai“ betreut werden, sind: Generalstaatsanwaltschaft von Berlin, Hauptstadt der DDR, Littenstr. 16 – 17, Manfred Wilhelm, 5.1.51 bzw. Andreas Bortfeldt, 1. 5. 53

Diese Fälle politischer Verfolgung in der DDR möglichst breit bekannt machen. In der DDR selbst, sofern dazu die Möglichkeit besteht, aber auch hier in der Bundesrepublik. Denn leider haben die bundesdeutschen Massenmedien mit Ausnahme eines vor einigen Wochen im „SPIEGEL“ erschienen Artikels den Verhaftungen in der DDR keine einzige Zeile gewidmet.

Sich an das Solidaritätskomitee wenden, das sich zur Unterstützung von Manfred Wilhelm, Andreas Bortfeldt und ihre politischen Freunde gebildet hat. Hier können auch Protestpostkarten, Unterschriftenlisten und Informationsplakate bestellt werden. Kontaktadresse des Komitees: Horst Dieter Koch, Gesslerstr. 14, 4600 Dortmund, Tel.: 0231 / 51 22 98.

Spontane Protestkundgebung

Gegen die Verhaftung von Karin Wagner, Helmut Stockmar, Franz Schlechter und Werner Kramer ! Wir fordern ihre sofortige Freilassung durch die DDR-Behörden !

Die Protestkundgebung findet statt vor der Ständigen Vertretung der DDR (Ecke Kölner Straße / Wurzer Str.)

Wir treffen uns dort ca. 45 Minuten nach Beendigung der Abschlusskundgebung der Breschnew-Demo.

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