2. Juni 1967 – Polizistenmord in Charlottenburg (Artikel fertig aber verbesserungswürdig)

Charlottenburg, Krumme Straße Ecke Schillerstraße, eine Frau beugt sich über einen jungen Mann. Er liegt am Boden, trägt einen Schnauzbart, hat lange Haare und sieht irgendwie friedlich aus, als ob er schäft –, aber er ist tot –, was ist geschehen?
Benno Ohnesorg heißt der Mann, ist 27 Jahre alt, Student, verheiratet und soll in wenigen Monaten Vater werden. An diesem 2. Juni stattet ein brutaler Schlächter, eingeladen vom Senat und deutschen Industriellen der Stadt Berlin, einen Besuch ab. Es ist das iranische Staatsoberhaupt, also der Schah von Persien, Mohammad Reza Pahlavi, der sich unter Polizeischutz mit seiner Frau Farah Diba auf dem Weg zur Deutschen Oper befindet. Dieser Diktator wurde von den USA aufgepäppelt, lebt mit seiner Familie in einem unvorstellbaren Luxus und lässt sein Volk vom Geheimdienst Savak und vom Militär brutal unterdrücken. Tausende Perser, die nicht nach seiner Pfeife getanzt haben, sind in Arbeitslagern eingesperrt oder werden einfach ermordet. Das Volk von Persien muss für die Monarchenfamilie schuften, die dadurch immer reicher und reicher wird.


 

Foto: Jürgen Henschel

Aber an diesem 2. Juni fahren nicht nur der Schah und seine Frau durch Berlins Straßen, es haben sich auch tausende Schüler und Studenten eingefunden. Aufgerufen von der APO (Außerparlamentarische Opposition) protestieren sie gegen die Menschenrechtsverletzungen in Persien und die USA-freundliche Politik Irans.

 
    Der Diktator Schah Mohammad R. Pahlavi von Persien erhielt
      1955
den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.

Das Monarchenpaar entkommt nur knapp einem Hagel von Eiern, Tomaten und Farbbeuteln, da schlagen iranische Schah-Anhänger (später "Jubelperser" genannt) mit langen Holzlatten auf die Demonstranten ein. Die Polizei schaut zu und schreitet nicht ein. Aber dann soll die Demonstration mit Gewalt aufgelöst werden. Es gibt ein Gerangel und dann passiert das Unfassbare. Der Westberliner Polizist Karl-Heinz Kurras schießt Benno Ohnesorg kaltblütig von hinten in den Kopf. Benno Ohnesorg stürzt zu Boden und stirbt unmittelbar danach.

Als Kuras später von der Anklage der fahrlässigen Tötung freigesprochen wird, fühlen sich die Demonstranten bestätigt: Sie sehen einen Staat, der das Recht auf freie Meinungsäußerung mit allen Mitteln zu unterdrücken versucht, einen Staat, der sich auf dem Weg zurück in den Faschismus befindet. Und Kurras mordete nicht aus Habgier oder zum eigenen Schutz. Er mordete allein aus Menschenverachtung und Dummheit. Denn schon seit Wochen vorher hat der Axel Springer Verlag mit seinen Hetzblättern wie die der Bild-Zeitung gegen die Studentenbewegung gehetzt. Die Studenten wurden


Prügelnde "Jubelperser" mit Holzlatten

als Kriminelle bezeichnet und immer wieder mit den dümmsten Argumenten angegriffen. Nicht wenige Berliner hassten die Studenten wegen ihrer selbstbestimmenden Lebensweise, ihrer langen Haare und ihrer Kritik am bürgerlichen Staat. Axel Springer und sein Verlag sind am Mord von Benno Ohnesorg genauso schuldig wie der dumme Polizist, der abgedrückt hat.

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Weiterführende Links:

Schah-Besuch 1967 WIKIPEDIA
Benno Ohnesorg WIKIPEDIA
Jubelperser WIKIPEDIA
Über die Kontakte des Mörders Kurras zur Stasi Radio AREF
Westdeutsche Studendenbewegug der 60er-Jahre
WIKIPEDIA
Die 68er: Fakten – Hintergründe – Meinungen
PlanetSchule.de
68er-Bewegung
Uniprotokolle.de

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weitere Infos/Kommentare/Meinungen

Ablauf der Ereignisse am 2. Juni 1967

Politische Gespräche
Am 28. Mai führte der Schah in Bonn Gespräche mit mehreren hochrangigen bundesdeutschen Politikern, darunter auch Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger. Dabei wurden vor allem Themen aus den bilateralen wirtschaftlichen Beziehungen sowie die geopolitische Lage, hier vor allem die Ausweitung des sowjetischen Einflusses im Nahen Osten, besprochen.

Vor dem Schöneberger Rathaus
Während des Besuches in West-Berlin am 2. Juni kam es bei Demonstrationen gegen Schah Mohammad Reza Pahlavi zunächst am Rathaus Schöneberg (damals Sitz des Berliner Senats und des Berliner Abgeordnetenhauses) zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Anhängern Pahlavis. Etwa 400 Demonstranten hatten sich dort versammelt. Schah-Anhänger prügelten mit den Latten ihrer Transparente und Totschlägern auf die Demonstranten ein, ohne von den anwesenden Polizeikräften daran gehindert zu werden. Vielmehr ging die Polizei mit Wasserwerfern und berittenen Kräften gegen die Demonstranten vor. Es wurden Dutzende von ihnen verletzt. Unter den sogenannten Gegendemonstranten (als „Jubelperser“ bzw. „Prügel-Perser“ sprichwörtlich geworden) wurden später teilweise Mitarbeiter des persischen Geheimdienstes SAVAK vermutet.

Vor der Deutschen Oper
Am Abend gab es eine weitere Demonstration, als der Schah und seine Gattin zusammen mit Bundespräsident Heinrich Lübke und dem Regierenden Bürgermeister Heinrich Albertz in der Deutschen Oper eine Aufführung der „Zauberflöte“ besuchten. Einige Demonstranten warfen Farbeier, faule Tomaten und Steine in Richtung Oper. Die Entfernung war jedoch zu groß, als dass die Wurfgeschosse die Gastgeber und den Diktator hätten erreichen können. Dennoch drängte der Regierende Bürgermeister die Staatsgäste, möglichst schnell das Foyer der Oper zu erreichen. Anschließend ließ er die Tür verriegeln. Zwei Polizeibeamte wurden in dieser Situation vor der Räumung verletzt. Einer von ihnen trug eine heftig blutende, von einem Steinwurf verursachte Kopfverletzung davon. Auf Geheiß des Berliner Polizeipräsidenten Erich Duensing wurde anschließend die sogenannte „Leberwursttaktik“ gegen die Demonstranten angewandt, die letztlich darauf abzielt, in einer Menschenmenge eine unkontrollierbare Panik zu erzeugen. Im Verlauf dieser Demonstration wurde der Student Benno Ohnesorg von einem in Zivil agierenden Polizisten von hinten erschossen. Dieser Polizeiobermeister Karl-Heinz Kurras war, wie 2009 bekannt wurde, Inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS, in Volksmund Stasi genannt) der Deutschen Demokratischen Republik. Es gibt in den Stasiakten aber keine Hinweise darauf, das MfS ihm je einen Auftrag für den Mord erteilt hat.
                                                                    Quelle: WIKIPEDIA und Andere

Weiteres Bildmaterial:



Benno Ohnesorg: Die Fotos zeigen den Abtransport von Benno Ohnesorg.
Polizisten hatten zunächst noch einen Arzt daran gehindert, dem
Schwerverletzten zu helfen. Bis die Sanitäter ihn endlich mitnehmen
konnten, dauerte es eine Viertelstunde.


Trauer um einen Kommilitonen: Am 5. Juni 1967 demonstrierten
Studenten auch in München für den drei Tage zuvor in Berlin getöteten
Benno Ohnesorg.



Ein letztes Geleit: Von einem Autokorso begleitet wurde der Leichnam
Benno Ohnesorgs am 8. Juni 1967 von Berlin nach Hannover überführt. Am Grenzübergang Dreilinden wechselten die Wagen auf die von Trauernden
umsäumte Auffahrt auf die Transitautobahn in Richtung Helmstedt. Als
Zeichen der Ehrbietung für die "Opfer des Militarismus" ließ die DDR den
Konvoi passieren und verzichtete auf Visa und Autobahngebühren.


Die letzte Grenzüberschreitung: Der Leichenwagen mit dem Sarg von
Benno Ohnesorg in Berlin-Dreilinden passierte am 8. Juni 1967 die deutsch-deutsche Grenze auf dem Weg nach Ohnesorgs Heimatstadt Hannover.


Verhandlung gegen Kurras: Gelassen blickt der Berliner  Polizist Kuras
während seiner Verhandlung am 3. November 1967 in den Gerichtssaal und
plädiert auf Notwehr.



Trauer um Benno Ohnesorg: Auf dem Hof eines Berliner Studentenwohn-
heims haben Studenten im Juni 1967 ein Gedenkkreuz für Benno Ohnesorg
aufgestellt. Überall in der Bundesrepublik trauerten damals die Studenten.
Tausende nahmen an den offiziellen Gedenkveranstaltungen teil und am Tag
der Beerdigung ruhte an der Frankfurter Goethe-Universität der Vorlesungs-
betrieb.


Der Tatort heute (Foto: Nicolino Fotografica 2013)


Infotafel vor dem Haus Krumme Straße 66/67
(Foto: Nicolino Fotografica 2013)

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